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Spotted in Bschlabs: Casual Hiking

Steile Abgänge, steile Aufgänge. Kühe, die dich anschauen. Die schon mal trampelig werden können, wenn sie sich bedroht fühlen. Die Natur. Die ist rau und die ist hässlich und die macht sich nicht schön für uns. Die lacht über uns, die findet uns nicht halb so interessant wie wir sie, die findet uns gar nichts. Aber egal, ob wir aus Wien oder Tirol sind: In diesem Land, in dem Funktionskleidung echte High Fashion ist und Höhenangst eine Sage der Vikingerinnen: Hier werden wir früher oder später auf die Berge mitgeschleppt. Und dann stehen wir da oben und denken nicht an die Sonne und das Grün und das Kalb, dann denken wir an das eine Mal, als wir fast von der Schaukel geflogen sind, weil der Papa uns nicht gehalten hat.

Also sag ich’s dir jetzt, hör zu: Du kannst beim Wandern rauchen. Du kannst mit der Kaffeetasse direkt vom Brunchen auffi gehen. Du kannst überall deine Tasse auffüllen, da gibt es Wasser in den Bächen, da gibt es auch diese kleinen Insekten, die in deiner Kaffeetasse herumschwimmen; die checken die Wände auch nicht, die sind dann genauso frei wie du.

M. und R. aus dem Kosovo verstehen diese österreichische Aufregung ums Wandern auch nicht. Haben keine Wanderschuhe; sie tragen Ringe und Sneakers, den Jog-Sweater und Mascara.

„Casual hiking, would that be a thing in Kosovo?““

„I think it’s super European – just like us.“

Sie wissen, dass für manche von uns das Interessanteste am Wandern nicht die Berge und der Ausblick sind, sondern das Sitzen, das Reden, das Schnapstrinken, das Sichaufregen. Über das Arbeiten. Über das Kümmern. Über das Immer-Alles-Verstehen. Über das spät nach Hause kommen und das unfreiwillige Frühaufstehen. So go sisters, unite: in making things casual that are supposed to be hard. Vielleicht fängst du hier damit an, im Valley. Weil die meisten Dinge wurden gar nicht von Männern erdacht. Die meisten Dinge wurden von Frauen gemacht. Und wenn wir in die Natur gehen, ohne uns verkleiden zu müssen: Dann versperr‘ uns nicht den Weg.

Das sind Dinge, die wir nie gelernt haben: etwas mit Stolz abzubrechen. Etwas nur halbherzig zu tun. Ganz offen uninteressiert zu sein. Auf einer Anhöhe zu stehen und sich anbeten zu lassen. Die Frage im Valley muss lauten: Wer tut sich diesen Scheiß freiwillig an? Aber wir sind zu klug dafür, diesen Raum auch noch jenen zu überlassen, die sich Räume wie selbstverständlich nehmen. Auf 1500 Metern werden wir jetzt etwas anfangen und abbrechen. Wir werden morgens im Bad brauchen, um uns zu schminken, bevor wir hochgehen. Wenn sie von uns erwarten, dass wir uns in der Stadt schön machen und im Valley nur Funktionskleidung tragen? Dann ist der Eyeliner unser Pfad ins Tal.

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