Okay, hör zu, also wir gehen los und dann fangen wir an mit drei weißen Spritzern und die Sonne glitzert im roten Campari vom Nebentisch; uns zieht’s erst näher zusammen, dann zieht es uns weg aus dem Gasthof der Gemütlichkeit, der nach zehn plötzlich immer so ungemütlich wird, und dann gehen wir am Brunnen vorbei ins Tal, da neben der Kirche, da bleiben wir hängen, da versacken wir auf der Wiese, da wollen wir nicht weiter, da reden wir über die Mütter und die Väter und wie sie uns alle gebeutelt haben. Es fährt die Sonne über uns drüber und wir lachen weißt eh passt eh habts ihr noch Spritzer? Vor uns die Bierbänke, da sitzen die Leute drauf, die vom Lechtal, aus Bschlabs und Innsbruck, aus Wien und Hamburg und Berlin. Da sitzt eine, die auf der Alm großgeworden ist und immer Lehrerin werden wollte, – eine der Frauen, die das Tal noch nicht verloren hat – die Lehrerin hat ihren Traum erfüllt und das sieht man. Sie lacht wie eine von uns, obwohl wir auf der anderen Seite liegen, wir prosten ihr zu und sowieso fließt jedes Wort zu viel über wie der Brunnen, den hier niemand ausschaltet, wie das Licht, das die ganze Luft verschmutzt, das Licht, das Dinge aufdeckt, die nie aufgedeckt werden sollten.
Da wage ich mich vor an die Theke, da rede ich über Literatur, da zünde ich mir eine Tschick an und lehn mich jedes Mal zurück, wenn ich dranziehe. Da bestelle ich weißen Spritzer, da hör mal: Da reden alle durcheinander und übereinander und da geht es schon wieder um die Familie, da erzählt einer, dass seine Mama aus Norddeutschland kam und in 50 Jahren Tirol kein Wort Dialekt gesprochen hat, die hat immer allen alles platt vorn Kopp gesagt, das war ne feine Frau, die war auch immer gut angezogen; die hat den Dialekt nicht verachtet, hat ihn nur nicht verstanden und alles verschwindet heutzutage – der Dialekt und die Sprache, die Alm und die Talschule, aber der Wolf, der bleibt. Und schau mal, wie blau der Himmel ist und wie rot Wien und wie wir das sagen, da zieht sich das Dunkle durch die Plastikbecher, da zerhexeln die Sterne über uns und fallen auf uns wie Konfetti, da tanzen sie kosovarische Hochzeitstänze, Spotify spielt den Soundtrack von Bschlabs, Wien da kannst echt ma scheißen gehn. Oida.
Uns geht das Sodawasser aus, aber die Lust auf den Spritzer niemals und jemand holt Brunnenwasser und wir erfinden den Bschlabs-Spritzer, aber wir wollen ihn auch nicht zu teuer verkaufen, nichts darf man in diesen Zeiten zu teuer verkaufen, dann wird über Wiener Preise gelästert und die Gedanken an die eigenen Preise, die man zahlen musste, um das alles hier zu retten: Die verschwinden mit dem nächsten Schluck im Tal, das dir die Sprache darüber für immer verschlägt.
Da muss jetzt die Musik doch schon mal leiser gemacht werden und wir kommen nicht weg und wir kommen nicht weiter, viel zu tun und zu klären in Bschlabs, wohin gemma, was machn wa, ach bleiben wa hier, hier is so schee. Wo wohnst du, kann ich bleiben, ey, kannst du mich adoptieren? Bis scho a mächtiges Weib mit starke Ohre, säuselt mir einer ins besagte Ohr, wohl ein echtes Tiroler Kompliment, und die Tschicks gehen leer, die Musik ist aus, hinter uns platzt die Sonne.
A time we all return to the breath, a time we all join despite our differences, a time we all have been waiting for but never really knew when or how it will come. Thankful for the stars of that night and for the waterfalls of that river. All connected, one wire stays with all of us.
Te dua. <3